E&M Home > E&M Marktplatz > E&M Nachrichten
Quelle: E&M
Susanne Harmsen, Georg Eble und Fritz Wilhelm
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 18.11.2021, 16:26 Uhr
E&M Energieclub
E&M News
Online-Konferenz orientierte Energiewirtschaft auf Innovationen
Gemeinsam mit starken Partnern lud E&M zu einem eintägigen Webinar mit einem kontroversen und lösungsorientierten "Innovation-Ride" durch die deutsche Energielandschaft.
Das Konferenzprogramm des 2. "E&M-Energieclubs" am 18. November setzte Schwerpunkte bei den Meta-Themen Smart Grids, Redispatch, New Work, Wärmewende und Klimaschutz. Partner waren Q-Perior, die Stadtwerke Menden, LBD Beratungsgesellschaft, Netze BW, Mainova und Mercuri Urval. Themen der Vorträge und Diskussionsrunden waren: Klimaneutralität für Stadt und Land – Innovative Wege in der Planung kommunaler Infrastruktur für Energie, Mobilität und Telekommunikation, automatisierte Planung mit geodatenbasierter Algorithmik und künstlicher Intelligenz.

Verteilnetze Zentrum der Energiewende

Beim Thema Netzentwicklung ging es um Redispatch 2.X, digitale Transformation der Stromnetze für Smart Grids und die Frage, wie die Digitalisierung die Energiewirtschaft transformiert. Die Energiewende findet im Verteilnetz statt, das wurde im Gespräch von E&M-Redakteur Fritz Wilhelm mit Martin Konermann erneut deutlich. Rund 4.000 bis 8.000 MW betrage die Last aktuell im eigenen Netz, so der Geschäftsführer Technik von Netze BW. Ihr gegenüber stehen rund 5.000 MW an installierter Erneuerbaren-Leistung.

An Feiertagen mit allgemein geringem Verbrauch könne die Erzeugung ein deutliches Übergewicht erlangen. In den kommenden Jahren müsse noch dreimal so viel regenerative Kapazität ins Netz integriert werden, um allein den bestehenden Strombedarf regenerativ decken zu können. "Und vier oder fünf Mal so viel, wenn wir den zusätzlichen Bedarf für Ladestrom und Wärmepumpen darstellen wollen", rechnete Konermann vor. Im Moment sei die Situation im Netz noch nicht dramatisch. In den nächsten 10 bis 20 Jahren werde sich das aber ändern.

Wärmewende im Fokus

Konermann versicherte allerdings: "An uns werden die Energie- und die Verkehrswende nicht scheitern." Seine Zuversicht zieht der Geschäftsführer aus den in verschiedenen Reallaboren gewonnenen Erkenntnissen, etwa zur Nutzung der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge. Nach einer "Einschwingphase" sei die Reichweitenangst bei den Nutzern geringer geworden. Auch die Versuche zu einem intelligenten Lademanagement stimmten Konermann für die Zukunft optimistisch, wenngleich er einen großen Markt für Flexibilitäten in naher Zukunft noch nicht sieht. Dass die Energiewende nicht nur eine Strom-, sondern auch eine Wärmewende ist, wollen Konermann und seine Mitarbeiter ebenfalls anhand eines Reallabors demonstrieren. Eine "Wasserstoff-Insel" soll Aufschluss über das Potenzial des Energieträgers für die Wärmeversorgung geben. "Wir wollen zeigen, dass die Wasserstoffnutzung beherrschbar ist", und so Skepsis begegnen, sagte Konermann.

Transformationspläne der Kommunen und ein CO2-Restbudget seien Schlüsselfaktoren für die Klimaneutralität, sagte Ben Schlemmermeier, Geschäftsführer der LBD Beratungsgesellschaft. Er forderte: "Infrastrukturunternehmen in den Fahrersitz". Sie sollten entscheiden welche alternativen Energieformen vor Ort angeboten würden. 

Im Forum zur Smart City kamen Stadtwerke als IoT-Dienstleister für Wohnungswirtschaft und Kommune zu Wort. "In der Beratung ist der Mitarbeiter das Produkt", darum setze Q-Perior stark auf die Weiterbildung, umriss Senior Consultant Alwin Jobb. Sein Unternehmen berate die Kunden vor allem für die Energiewende, den Klimaschutz und die Digitalisierung im Unternehmen. Interne Digitalisierung habe das Potenzial, das Unternehmen wettbewerbsfähiger und agiler zu machen. Dabei bleibe die Datensicherheit eine große Herausforderung.
 
Die Diskutanten beim Panel Innovation in der Führungs- und Unternehmenskultur des E&M-Energieclubs (von links oben nach rechts unten): Diana Rauhut, Bernd Reichelt, Georg Eble und Hansjörg Mierke
Quelle: E&M
 
Ein guter Chef macht sich selbst überflüssig

"Ich sage meinen Bereichsleitern: Es läuft gut ab dem Moment, da es mich nicht mehr braucht." Das sagte Diana Rauhut, Vorständin Kunden, IT und Digitalisierung bei der Mainova, im Podium zum Thema Innovation in der Führungs- und Unternehmenskultur mit dem provokanten Titel "Unboss your company" ("Ent-chefen Sie Ihr Unternehmen"). Die Energiebranche sei keine Insel mehr und könne außerhalb entstandene Innovationen wie Smart City oder E-Mobilität nur durch Öffnung für andere Sichtweisen und Branchen integrieren.

Auf die Frage, warum der als autoritär geltende Elon Musk nicht zuletzt mit seinem E-Auto-Unternehmen Tesla so erfolgreich sei, sagte Bernd Reichelt, Teamleiter Personalmanagement und Mitglied der Geschäftsleitung der Stadtwerke Menden (NRW): "Diktatoren im weitesten Sinne haben ihre befristete Zeit. Die werden ihr Ende finden." Das Stadtwerk hatte dieses Jahr den "HR for Energy Award" erhalten für die Selbstverpflichtung zur dienenden Führung und den Umbau in gut 20 kleine, autark arbeitende Teams.

"Der Start-up-Komplex hat dazu beigetragen, dass die Hierarchiedenke auch in Deutschland aufhört – und das ist gut so!", bemerkte Hansjörg Mierke, Partner und Director bei der Personal- und Strategieberatung Mercuri Urval. Führung "auf Augenhöhe" setzt bei den Zugeordneten Innovationskraft frei, diese Erkenntnis setze sich auch in der Energiebranche durch.