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Quelle: Tennet
Davina Spohn
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Donnerstag, 18.11.2021, 16:10 Uhr
Stromnetz
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380-kV-Freileitung nach nur 2,5 Jahren in Betrieb
Nach nur einem Jahr Genehmigung und eineinhalb Jahren Bauzeit steht die Freileitung Redwitz bis Remptendorf. Tennet spricht von einem Vorbild für künftige Genehmigungsverfahren.
Die rund 40 Kilometer lange Leitungsstrecke zwischen Redwitz nahe Coburg (Bayern) und Remptendorf nahe Saalfeld an der Saale (Thüringen) erforderte aufgrund Überlastung immer wieder Netzeingriffe. Das gehört nun der Vergangenheit an. Nach nur zweieinhalb Jahren seit der Beantragung durch Tennet ist die Umbeseilung der 380-kV-Freileitung Redwitz-Remptendorf abgeschlossen. Dies gibt der Netzbetreiber in einer Mitteilung vom 18. November bekannt.

Demnach handelt es sich bei der Leitungsstrecke zwischen Bayern und Thüringen um "eine der wichtigsten Versorgungsstrecken im Übertragungsnetz zwischen Ost- und Süddeutschland". Die Höchstspannungsfreileitung wurde, wie es heißt, in Rekordzeit in Betrieb genommen. Tennet hatte im Dezember 2019 bei der Regierung von Oberfranken die Genehmigung neuer verbesserter Leiterseile auf der Leitungsstrecke beantragt. Nach Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden und den Trägern öffentlicher Belange konnte der Netzbetreiber erstmals auf ein Planfeststellungsverfahren verzichten und stattdessen eine solche Maßnahme als sogenanntes "Anzeigeverfahren" nach Paragraph 43f Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) beantragen. Nach nur einem Jahr lag Tennet die Genehmigung im April 2020 vor. 

Laut EnWG ist ein Anzeigeverfahren dann zulässig, wenn "durch eine Umbaumaßnahme keine wesentlichen Änderungen oder Erweiterungen entstehen". Insbesondere der Verzicht auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist bei dieser Grundsatzentscheidung ausschlaggebend und beschleunigt die Genehmigung. Da für dieses Netzausbauprojekt eine maximale Stromstärke von 3.600 Ampere beibehalten, die alten Leiterseile durch neue Leiterseile ausgetauscht und nur in Einzelfällen Masten statisch verstärkt worden sind, konnte die Regierung von Oberfranken ein Anzeigeverfahren veranlassen.

Einsparung von 40 Mio. Euro Redispatchkosten

"Dank einer sehr sachbezogenen und lösungsorientierten Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden in Oberfranken und Thüringen konnten wir erstmals erfolgreich unter Beweis stellen, dass Genehmigungsverfahren komprimiert und zügig durchgeführt werden können", wird ​Tim Meyerjürgens, COO von Tennet, in der Mitteilung des Unternehmens zitiert wird. Er erachtet das Projekt als richtungsweisend: "Wenn wir die Klimaschutzziele in Deutschland bis 2045 erreichen wollen, müssen wir vermehrt solche vereinfachten Verfahren nutzen, wo dies aufgrund geringer Auswirkungen auf die Umwelt möglich ist."

Die neuen temperaturbeständigen Aluminiumseile sollen nun für eine wetterunabhängige Vollauslastung der Leitung sorgen. Meyerjürgens: "Das ist ein weiterer wichtiger Baustein für eine sichere und kostengünstige Stromversorgung in Bayern. Allein durch die Reduzierung unserer Netzeingriffe aufgrund des Netzausbaus in Bayern können wir perspektivisch etwa 40 Millionen Euro Redispatchkosten sparen. Mit der Inbetriebnahme der beiden Stromkreise auf der Leitung Redwitz – Remptendorf sind wir diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen."

Zudem bringen die Leiterseile und deren Anordnung zusätzliche Verbesserungen mit sich: Die Geräuschimmissionen im Betrieb der Leitung sind reduziert worden, wie es seitens Tennet heißt. Mit Inbetriebnahme der Leitung sind die Maßnahmen entlang der Leitungstrasse aber noch nicht vollständig abgeschlossen. Bis 2023 will der Netzbetreiber die Masten noch mit einem neuen Anstrich versehen, der gegen Korrosion schützen soll. 
 
 
Tennets Vorschläge für einen beschleunigten Netzausbau

Tennet betont die Wichtigkeit eines beschleunigtes Planungs- und Genehmigungsverfahren, um das Tempo beim Netzausbau zu erhöhen. Dazu hat der Übertragungsnetzbetreiber am 17. November ein Positionspapier mit verfahrensrechtlichen Änderungsvorschlägen veröffentlicht.
 
Positionspapier von Tennet mit Vorschlägen zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren beim Stromnetzausbau. Zum Öffnen bitte auf die das PDF-Dokument klicken
Quelle: Tennet

Laut Tennet sollten alle Gesetzesänderungen nur Anwendung bei Netzausbauprojekte finden, deren Genehmigungsverfahren noch nicht begonnen haben. Der Grund: Alle gesetzlichen Eingriffe in laufende Verfahren wirken sich verzögernd auf den Netzausbau und damit auf die Energiewende als Ganzes aus.

Mit seinen Vorschlägen will das Unternehmen Optimierungen im Rahmen der geltenden Genehmigungsverfahren anregen. Möglichkeiten zur Vereinfachung und Schärfung des Gesetzes sieht Tennet etwa beim Netzausbaubeschleunigungsgesetz sowie beim Energiewirtschaftsgesetz. 

Das vierseitige Positionspapier "Vorschläge zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren beim Stromnetzausbau" steht auf der Internetseite von Tennet zum Download bereit.