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Susanne Harmsen
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Mittwoch, 13.10.2021, 12:40 Uhr
Klimaschutz
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Bericht der Weltenergieagentur fordert mehr Tempo für die Energiewende
Der Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) „World Energy Outlook 2021“ begrüßt die Anfänge einer erneuerbaren Energiewirtschaft, fordert jedoch mehr Tempo für den Klimaschutz.
Auf der ganzen Welt entstehe eine neue Energiewirtschaft. Zu diesem Fazit kommt der am 13. Oktober veröffentlichte Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA). Zugleich mache der „World Energy Outlook 2021“ deutlich, dass die Fortschritte im Bereich der sauberen Energie immer noch viel zu langsam sind, um die globalen Emissionen nachhaltig auf Netto-Null zu senken. Daher fordert die IEA vom Nachfolgetreffen des Pariser Klimaschutzabkommens im November in Glasgow (COP 26) mehr Maßnahmen der vertretenen Staaten.

Der aktuelle Weltenergiebericht (WEO-2021) sei als Handbuch für die COP26-Klimakonferenz in Glasgow konzipiert, die eine entscheidende Gelegenheit biete, den Klimaschutz und die Energiewende zu beschleunigen. Der Bericht biete zugleich eine klare Analyse, wie man auf gut gesteuerte Weise einen Weg einschlagen kann, der gute Chancen hätte, die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen und die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden.

Mehr Maßnahmen für erneuerbare Energien nötig

So stellt der WEO-2021 fest, dass der weltweite Kohleverbrauch in diesem Jahr stark ansteigt, was die Kohlendioxidemissionen (CO2) auf ihren zweitgrößten jährlichen Anstieg in der Geschichte treibe. „Die enorm ermutigende Dynamik der Welt im Bereich sauberer Energie stößt auf die hartnäckige Vorherrschaft fossiler Brennstoffe in unseren Energiesystemen“, sagte Fatih Birol, Exekutivdirektor der IEA. Die Regierungen müssten daher auf der COP26 eine schnelle Verbreitung der sauberen und widerstandsfähigen Technologien der Zukunft initiieren. Die sozialen und wirtschaftlichen Vorteile einer beschleunigten Energiewende seien enorm und die Kosten für Untätigkeit immens, warnte Birol.

Drei verschiedene Szenarien betrachtet

Neben dem Szenario Netto-Null-Emissionen bis 2050 untersucht das WEO-2021 zwei weitere Szenarien. Das Stated-Policies-Szenario stellt einen Weg dar, der auf den bisher tatsächlich umgesetzten Energie- und Klimamaßnahmen der Regierungen sowie auf in der Entwicklung befindlichen spezifischen politischen Initiativen basiert. Damit stiegen die globalen Durchschnittstemperaturen immer noch an und erreichen 2,6 °C über dem vorindustriellen Niveau im Jahr 2100.

Das Announced Pledges Scenario nimmt an, dass die bisher von den Regierungen angekündigten Netto-Null-Emissions-Versprechen fristgerecht und vollständig umgesetzt werden. In diesem Szenario erreicht die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen bis 2025 einen Spitzenwert, und die weltweiten CO2-Emissionen sinken bis 2050 um 40 %. Alle Sektoren verzeichnen einen Rückgang, wobei der Stromsektor mit Abstand die größte Leistung liefert. Der globale Durchschnittstemperaturanstieg würde so im Jahr 2100 auf etwa 2,1 °C gehalten.

Kohleausstieg würde viel bringen

Der Bericht begrüßt die jüngste Ankündigung Chinas, seine Unterstützung für den Bau von Kohlekraftwerken im Ausland einzustellen. Dieser Schritt könnte zur Annullierung geplanter Projekte führen, die bis 2050 kumulierte CO2-Emissionen von etwa 20 Mrd. Tonnen einsparen würden – ein Betrag, der der Gesamtemissionseinsparung der Europäischen Union entspricht, die bis 2050 netto null erreichen will.

„Die heutigen Klimaversprechen würden bis 2030 nur zu 20 % der Emissionsreduktionen führen, die notwendig sind, um die Welt bis 2050 auf einen Weg in Richtung Netto-Null zu bringen“, sagte Birol. Um diesen Weg zu erreichen, müssen sich Investitionen in saubere Energieprojekte und Infrastruktur in den nächsten zehn Jahren mehr als verdreifachen, fordert die IEA. Etwa 70 % dieser zusätzlichen Ausgaben müssten in Schwellen- und Entwicklungsländern getätigt werden, wo die Finanzierung knapp ist und das Kapital bis zu siebenmal teurer ist als in fortgeschrittenen Volkswirtschaften.

Klimaschutz schafft Millionen Arbeitsplätze

Der Bericht betont, dass die zusätzlichen Investitionen, um bis 2050 netto null zu erreichen, weniger belastend sind, als es den Anschein hat. Mehr als 40 % der erforderlichen Emissionsreduktionen würden aus Maßnahmen resultieren, die sich selbst finanzierten, wie etwa Effizienzsteigerungen, Begrenzung von Gasleckagen oder Installation von Wind- oder Solaranlagen an Orten, an denen sie heute schon die wettbewerbsfähigsten Technologien zur Stromerzeugung sind.

Ein erfolgreiches Streben nach Netto-Null würde bis 2050 einen Markt für Windkraftanlagen, Sonnenkollektoren, Lithium-Ionen-Batterien, Elektrolyseure und Brennstoffzellen von weit über 1.000 Milliarden US-Dollar pro Jahr schaffen, der in seiner Größe mit dem aktuellen Ölmarkt vergleichbar ist. Allein im Szenario „Announced Pledges“ würden bis 2030 weitere 13 Mio. Arbeitnehmer in sauberer Energie und verwandten Sektoren beschäftigt sein, während sich diese Zahl im Szenario „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ sogar verdoppelt.

Der IEA-Bericht 2021 steht im Internet zur Verfügung.