EDITORIAL:

Windkraft in Not


Die Zahlen sind fast schon erschütternd: Der Zubau der Windenergie an Land lag in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 mit 287 MW und 86 Anlagen auf dem niedrigsten Stand seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000. Rechnet man das auf das Gesamtjahr hoch, käme man auf eine neue Windkraftleistung von 574 MW. Zum Vergleich: 2014 bis 2017 lag der Zubau bei durchschnittlich 4600 MW im Jahr. Die Gründe für den Einbruch sind zum einen die zurückhaltende Genehmigungserteilung aufgrund der wachsenden Bürgerskepsis und zahlreiche Klagen — auch von Naturschutzverbänden.

Am 5. September lädt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) deswegen zum „Windkraft-Gipfel", wie mein Kollege Ralf Köpke aus unterschiedlichen zuverlässigen Quellen erfahren hat. Altmaier will mit den beteiligten Akteuren der Windenergiebranche und den Ländern über die Ausbau-Misere sprechen. Derzeit arbeitet das Bundeswirtschaftsministerium an der Tagesordnung für dieses Treffen. Denn klar ist: Ohne weitere Windkraftanlagen werden die deutschen Klimaziele nie und nimmer erreicht. Es bleibt daher sehr zu wünschen, dass der Windkraft-Gipfel ein Erfolg wird.

Der Verkehr ist ein weiteres Sorgenkind in der deutschen Klimapolitik. Die Emissionen sind dort seit Jahrzehnten viel zu hoch, das betrifft auch den Schwerlastverkehr. Hier gibt es zumindest ein wenig Hoffnung, dass sich etwa tut. Die starke Inanspruchnahme eines Förderprogramms für energieeffiziente Lastwagen deutet darauf hin. Knapp 1400 Lkw hat das Bundesverkehrsministerium seit Einführung des Förderprogramms für energieeffiziente und/oder CO2-arme schwere Nutzfahrzeuge vor rund einem Jahr subventioniert – 1330 oder 96 % davon verfügten über einen Erdgasantrieb. Weiter so!

Gut für das Klima sind auch Blockheizkraftwerke wie beispielsweise in Frankfurt/Main. Die Mainova versorgt als Contractor die Bäderbetriebe Frankfurt mit Strom und Wärme aus einem neuen BHKW. Die  mit Erdgas betriebene Anlage hat laut Mainova eine thermische Leistung von mehr als 360 kW und eine elektrische von rund 240 kW und soll jährlich rund 700 Tonnen CO2 einsparen. Hier gibt es ein: Gut so!

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Stefan Sagmeister
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