EDITORIAL:

Unwissende Versorger


Viele Energieversorger sind nun voll kundenorientiert, wird einem gerne erzählt. Beim Deutschen Energiekongress in München sagte ein hochrangiger Vertreter eines großen Unternehmens, er habe seinen Mitarbeitern nun sogar eine „kundenorientierte Empathie“ verordnet, was immer darunter zu verstehen sei. Eine Studie hingegen kommt nun zu einem erstaunlichen Ergebnis. Die Versorger haben nicht wirklich Ahnung, was ihre Kunden wollen – Empathie hin oder her.

Die Befragung war clever gemacht. Erst wurden 100 Führungskräfte von Energieversorgern interviewt, welche Wünsche Kunden ihrer Einschätzung nach haben. Gleichzeitig wurden 1000 Personen befragt, welche Erwartungen sie an ihren Energieversorger haben. Wie die Autoren der Studie schreiben, klaffen die Erwartungen und Vorstellungen beider Seiten weit auseinander. Doch lesen Sie selbst in unserem Newsletter.

Was wollen die Menschen? Die Antwort auf diese Frage glaubt auch die neu schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen zu wissen. Zumindest was die Windkraft dort angeht. Der Ausbau soll neu ausgerichtet werden, „da er in Teilen des Landes auf zunehmende Vorbehalte in der Bevölkerung stößt“, so die Aussage in der Kabinettsvorlage, die E&M vorliegt. Deshalb sollen Windräder künftig mindestens 1,5 Kilometer von reinen Wohngebieten entfernt sein. Nach Berechnungen von Branchenexperten würden mit dieser Regelung rund 90 Prozent aller potenziellen Standorte für neue Windturbinen zwischen Rhein und Weser gekippt werden.

Ob die Menschen in NRW wirklich Vorbehalte gegen die Windenergie haben, ist nicht bekannt. Gegner finden sich immer. Aber die Menschen zwischen Rhein und Ruhr ertragen seit über 150 Jahre Kohleabbau in ihrer Region. Windräder wären nun aber nicht auszuhalten? Schwer vorstellbar.

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Stefan Sagmeister
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