EDITORIAL:

Auftrieb und Flaute


Bisher führen Erdgasautos ein Nischendasein - obwohl Erdgas als Kraftstoff deutlich weniger Treibhausgase sowie Umweltschadstoffe verursacht als Benzin oder Diesel und so zur Verringerung der Verkehrsemissionen beitragen würde. Das Nischendasein könnte nun ein Ende finden: In Europa sind die Neuzulassungszahlen von Erdgasautos von Januar bis Mai 2018 verglichen zum Vorjahr erheblich gestiegen – laut der European Alternative Fuels Observatory (EAFO) um 83 %. Den höchsten prozentualen Zuwachs verzeichnet dabei der deutsche Markt.

Von Januar bis Mai 2018 wurden demnach in Europa knapp 36 000 Erdgas-Personenwagen neu zugelassen und damit knapp 16 000 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Mit 5 446 Fahrzeugen konnte Deutschland nach Angaben der EAFO mehr als 15 % der Neuzulassungen verbuchen. Die Europäer scheinen sich mit der Alternative Erdgas im Tank allmählich anzufreunden.

Auch beim Elektroauto ist noch viel Luft nach oben. In dieser Kategorie wurden im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 17 000 batterieelektrische Autos und etwa 16 700 Plug-in-Hybride in Deutschland neu zugelassen; Steuervorteile sollen den Verkauf weiter ankurbeln. Die Bundesregierung will Elektroautos, die als Dienstwagen eingesetzt sind, bei der privaten Nutzung steuerlich begünstigen. Die Entlastung von Dienstwagennutzern soll ab 2019 gelten.

Die Politik sollte sich aber nicht nur bei alternativen Antrieben Gedanken machen, sondern vor allem über die Zukunftsfähigkeit der Windbranche hierzulande. Kürzlich hat auch Enercon angekündigt, ihre Produktionskapazitäten zurückzufahren. Nachdem bereits im vergangenen Jahr die beiden Windturbinenhersteller Senvion und Nordex zusammen über tausend Stellen gestrichen und Produktionswerke geschlossen hatten, erwischte es nun auch den deutschen Marktführer mit Sitz in Aurich.

Gerüchte über diese Stellenstreichungen hatte es bereits vermehrt in den zurückliegenden Wochen gegeben. In einem Gespräch mit E&M hatte Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig bereits im vergangenen Herbst angekündigt, dass alle Produktionsbereiche auf den Prüfstand kommen. Denn schon damals war absehbar, dass der heimischen Windbranche eine Delle spätestens ab dem Jahr 2019 drohen würde. Diese Flaute war absehbar – auch für die Politik.

Nicht nur Aufträge fehlen den Herstellern, sondern auch der durch den Ausbaudeckel von 2 800 MW brutto im Jahr ohnehin künstlich verknappte Markt. Unser Windexperte und Autor Ralf Köpke hat die dramatische Lage kommentiert.

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Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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