zurück

Börse - Leipziger European Energy Exchange (EEX): Auf die Plätze, fertig ... ?


Bei der Leipziger European Energy Exchange, EEX, sind alle Weichen gestellt: Der Spothandel mit Emissionszertifikaten kann seit dem 28. Februar, dem durch die EU-Richtlinie vorgegebenen Stichtag, beginnen.

Ein Gefühl für den Wert von Emissionszertifikaten, den EU-Allowances, konnten die Marktbeobachter schon seit dem 25. Oktober 2004 bekommen. Von diesem Tag an veröffentlichte die EEX an jedem Handelstag einen Referenzpreis für den europaweiten Handel in Euro/EU-Allowance, für die Tonne CO2 also. Der Preis hat sich bis Dezember auf dem Niveau von etwa 8,5 Euro gehalten und ist dann auf knapp sieben Euro gefallen. An der Indexbildung waren acht Unternehmen beteiligt: die belgische Electrabel S.A., die schweizerische Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg AG, die niederländische Essent Energy Rading B.V. und die deutschen Unternehmen EnBW Gesellschaft für Stromhandel mbH, Eon Sales & Trading GmbH, RWE Trading GmbH, Syneco Trading GmbH und Vattenfall Europe Trading GmbH. Was diese Unternehmen handelten, waren außerbörsliche Terminkontrakte.

Im März nun, so hofft Dr. Stefan Nießen, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der EEX, könnte sich die Zahl der Unternehmen, die dann mit den Zertifikaten am Spotmarkt handeln, deutlich vergrößern. Von den 112 Markteilnehmern der EEX hatten sich Mitte Februar schon 59 Unternehmen für den Zertifikate-Handel registrieren lassen. Und das ging laut Nießen ganz einfach: „Unsere Marktteilnehmer müssen für CO2 keine neuen Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, alles was man braucht, das ist ein Vertrag zwischen dem Verkäufer, der Clearing-Bank und der EEX.“ Der Ablauf ist wie beim Strom und läuft ebenfalls über das bei der EEX am 7. Februar neu eingeführte Xetra-System.

Die EEX ist beim Handel mit den Allowances im Wettbewerb mit anderen Börsenplätzen und börsenähnlichen Initiativen, und wer dann wie viel vom noch unbekannten Kuchen abbekommt, das ist laut Nießen eine Frage „der Kosten und der Performance“. Handel und Clearing zusammen kosten an der Leipziger Börse 2,5 Ct/t CO2, die Wettbewerber verlangen nach Angaben von Nießen durchschnittlich „fünf Cent ohne Clearing, und somit sind wir gut aufgestellt“. Was an Umsatz auf die Leipziger zukommt, ist noch halbwegs unklar. Nießen: „Wir haben bei verschieden Unternehmen eine Umfrage gemacht, dabei ist die übereinstimmende Meinung, dass in diesem Jahr europaweit etwa 150 Millionen Tonnen gehandelt werden, und sich diese Menge bis zum Jahr 2007/2008 ungefähr verdreifachen wird.“ Nimmt man einen Zertifikatepreis von 7 Euro, rechnet Nießen vor, „dann haben wir ein Umsatzvolumen von rund einer Milliarde Euro, die sich auf rund drei Milliarden steigert – börslich und außerbörslich in ganz Europa.“ Zum Vergleich: Allein beim Strom ist der EEX-Umsatz 13,5 Mrd. Euro.  

Auf die Plätze, fertig, los. Schon vor Weihnachten haben die EEXler mit ihren Teilnehmern den Handel mit den Kohlendioxid-Tonnen simuliert, das Regelwerk steht, der Börsenrat hat sein Plazet gegeben. Im Laufe des März erwartet Nießen die ersten Bewegungen auf dem Spotmarkt, und in der zweiten Jahreshälfte wollen die Strombörsianer auch schon mit dem Terminmarkt für die Zertifikate beginnen. 79 % der deutschen Emissionsrechte sind an die Energieversorger gegangen, und die, so Nießen, „sind schon unsere Teilnehmer, von daher rechnen wir uns gute Chancen aus.“

Start für CO2
Wer am EEX-Spotmarkt bereits zugelassen ist, benötigt für den Zertifikatehandel nur noch den Nachweis einer Clearingvereinbarung mit einer Clearingbank und gegebenenfalls die Einlieferung von Zertifikaten.

Wer neu beginnen will, muss Eigenkapital nachweisen, benötigt eine Schulung zum Spothändler und braucht einen PC sowie einen Internetanschluss. Es muss eine einmalige Anmeldegebühr und ein Jahres-Mitgliedsentgelt bezahlt werden. Erforderlich ist auch der Nachweis einer Clearingvereinbarung mit einer Bank und gegebenenfalls die Einlieferung von Zertifikaten.

Für den Handel und das Clearing sind dann 2,5 Cent pro gehandelte Tonne CO2 zu bezahlen. Für diejenigen, die am Handel indirekt über eine Clearingbank teilnehmen wollen, stellt die EEX keine besonderen Anforderungen.

Gehandelt wird an den normalen Börsentagen von 10.00 bis 10.05 Uhr in Form einer Auktion. Die kleinste Handelseinheit ist 1 EU-Allowance entsprechend 1 t CO2. Die Quotierung erfolgt in Euro / EU-Allowance mit zwei Dezimalstellen. Registriert wird anhand von Wertpapierkennnummern; die XETRA-Produktbezeichnung lautet P1EA.



02.03.2005
Helmut Sendner
Herausgeber
+49 (0)8152 9311-11
eMail
facebook

© Energie & Management GmbH